Text Christine Wawra

Idylle mit ganz viel Gegenwart

Christine Wawras Rottenburg-Fotoband zeigt wie noch keiner vor ihm auch das moderne Gesicht der Stadt

Schwäbisches Tagblatt vom 30. Oktober 2007

Rottenburg (ski). Ein knappes Jahrzehnt nach dem bislang jüngsten erscheint ein neuer Fotoband, der die Reize Rottenburgs ins rechte Licht zu rücken sich vorgenommen hat. Christine Wawra, TAGBLATT-Lesern als Berichterstatterin wohlbekannt, hat dafür mit der Kamera ihre Wahlheimat durchstreift, über 10000 Mal abgedrückt - und am Ende einen Band vorgelegt, den man nicht nur verschenken, sondern selbst gern ansehen mag.

Mindestens genau so wie einzelne Bilder nämlich überzeugt schon auf den ersten Blick das Konzept: Bereits Norbert Krüger und sein Textautor Dieter Manz hatten sich in den neunziger Jahren bemüht, neben dem traditionellen auch das zeitgenssische Rottenburg samt seinen 17 Stadtteilen zu präsentieren. Wawra geht noch einen Schritt weiter und macht aus derlei Kontrasten - wenigstens über Teile des Büchleins hinweg - ein ästhetisches Programm: Dem Marktbrunnen-Engel etwa hat sie als -Kleinen Engel" ein Karussell fahrendes Kind beigesellt; eine Doppelseite stellt der Fronleichnamsprozession ein "Rock im Knast"-Konzert gegenüber; auf einer anderen ist gemeinsam mit dem Kulturnacht-Lichtspektakel in der Zehntscheuer die Stadtkapelle zu sehen, samt einem hochkonzentrierten Dirigenten Arno Hermann.

Unverkennbar also die Absicht, neben den vertrauten Postkartenmotiven vom illuminierten Dom über die Neckarfront beim Priesterseminar bis hin zum Weggental-Interieur auch Einblicke in die lebendige Gegenwart der Stadt zu bieten. Letztere vertreten bei Christine Wawra etwa Mitarbeiter des Ergenzinger Kältetechnik-Spezialisten Bitzer, feilschende Marktbesucher oder auch drei Türkinnen, die sich, die typischen Teegläser in der Hand, ausgelassen miteinander unterhalten.

"Für a Schwätzle isch doch emmer Zeit en Raoteburg", hat Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert halb ironisch, halb integrativ darunter getextet. So kurz fassen sich in der Regel auch seine übrigen Bildunterschriften: Auf ausführliche Erklärungen wird verzichtet, dafür aber ist alles gleich dreisprachig nachzulesen, zusätzlich also auf Englisch und Franzsisch. Das gilt auch für das mit nur zwei Seiten ebenfalls knappe Nachwort, das je zur Hälfte einen Abriss der Stadtgeschichte und eine Einführung ins Rottenburg dieser Tage gibt. Erst mglich gemacht hat diesen Band - wie schon seine Vorgänger - übrigens die Stadtverwaltung, und zwar, indem sie dem Verlag garantierte 500 Exemplare abnahm.

© Christine Wawra 2004-2011     Aktualisiert am 27.10.2011