Theaterfotografie
ist Augenblicksarbeit.
Das Geschehen auf der Bühne, oftmals voller Bewegung und Überraschungen für den Zuschauer, in aussagekräftigen Bildern zu erfassen erfordert fotografische Spezialisierung. Denn mehr als in anderen Bereichen gilt es in der Bühnenfotografie, über Dokumentation hinaus die Charakteristika einer Inszenierung zu erfassen wie beispielsweise Lichtstimmungen innerhalb des Bühnenbildes.
Sich mit Einfühlungsvermögen in den theatralischen Prozess einzulassen, gehört für mich dazu. Interessant ist auch Probenfotografie: zu verfolgen, wie sich eine Produktion entwickelt. Ist das nicht möglich – oder nicht Thema der Arbeit – ist dennoch die Kenntnis des Stückes sowie der Inszenierung hilfreich. Sie ersetzt aber nicht die geforderte Intuition: wann ist der richtige Moment? Am besten, man befindet sich – wie beim Grimmschen Märchen vom Hase und Igel – schon Bruchteile von Sekunden vorher am rechten Ort, den Finger am Auslöser.
Blitzen ist völlig tabu, zerstört es doch die jegliche Lichtstimmung auf der Bühne. Die Digitalfotografie mit ihren hohen Lichtempfindlichkeiten hat die technischen und gestalterischen Möglichkeiten erweitert, auch wenn meines Erachtens der Charme der analogen Theaterfotografie in Schwarz-Weiß, eine ganz eigene Qualität darstellt. Sie lässt sich allerdings auch digital erzeugen.
Ich verwende kein Stativ, sondern bewege mich während der ausgewählten Probe – je nach räumlichen Möglichkeiten – vor der Bühne. Bei manchen Produktionen, meist aus dem Off-Bereich, war ich auch schon mit auf der Bühne. Und habe mich nicht wenig verrenkt um die spannenden, oftmals von hier aus viel intensiveren, Perspektiven einzufangen. Fotografieren im Stehen ist dabei die seltenste Variante, schnell finde ich mich in der Hocke oder liegend am Boden wieder, weil ich so der schau-spielerischen Energie am besten folgen kann ...
Gute Theaterfotografie behält Gültigkeit auch über den Zusammenhang des Stückes hinaus. Im Idealfall sprechen und wirken die Bilder für sich. Sie bringen Situationen und Emotionen zum Ausdruck, die charakteristisch sind für unsere Welt, Epoche oder Kultur.